»Zen To Done« — der Praxistest. Teil 3: Kleiner Retter ganz groß

»Zen To Done« — der Praxistest. Teil 3: Kleiner Retter ganz groß

In jedem Notizbuch steckt ein Superheld. Wie man ihm auf die Spur kommt? Im dritten Teil finde ich es heraus.

Es ist wirklich zum Schmunzeln, wenn ich darüber nachdenke, wie häufig ich mir schon ein neues Notizbuch gekauft habe, immer mit dem Vorsatz: Und jetzt schreibst du all das ganz ordentlich dort hinein, was du nicht wieder vergessen willst.
In Meetings hatte ich es bisher immer dabei. Zum Mitschreiben, Themen sammeln, sowie zum Festhalten von Terminen und Kontaktdaten. Gleichzeitig gewöhnte ich mir an, To-Do-Listen darin einzupflegen und meinen Tagesplan zwischen all diese Notizen zu klemmen. Ich hatte die Erwartung, dass es damit getan sei — alles, was ich aufschreibe, ist von nun an abrufbar und erledigt sich quasi von selbst, um es ein wenig überspitzt auszudrücken.

Ein Notizbuch ist doch kein Abfalleimer

Innerhalb des Produktivitätssystems „Zen To Done“ spielt das Notizbuch eine zentrale Rolle. Im zweiten Teil ging ich bereits darauf ein, dass es wichtig ist, seine Eingangsorte (Mail-Accounts, Posteingangskorb) auf eine geringe Anzahl zu begrenzen. Auch das Notizbuch bezeichnet der Autor Leo Babauta als eine Inbox, mit der man behutsam umgehen sollte. Denn dem Superhelden kommt man garantiert nicht auf die Spur, indem man sein Notizbuch mit sämtlichen Notizen, To-Do-Listen und Tagesplänen überfrachtet. Auch hier lautet wieder das Geheimnis: ein System muss her.

Mein ständiger Begleiter

Babauta schlägt vor, ein Notizbuch für einen ganz bestimmten Zweck und nach einem ganz bestimmten Prinzip zu führen. Es ist „Dein Tool zum Sammeln und Festhalten Deiner Ideen, Notizen, aller Informationen, die Du unterwegs erhältst, zu erledigender Aufgaben und Beschlüsse aus Meetings“, schreibt er. Da das Gedächtnis einfach nicht dafür gemacht sei, alles zu behalten und abrufbereit zu halten, müsse es in schriftlicher Form festgehalten werden. „Trage dafür immer (immer, immer, immer) ein kleines Notizbuch bei Dir (…), und notiere darin umgehend alle Aufgaben, Ideen, Projekte, Telefonnummern oder andere Dinge, die Dir plötzlich einfallen oder die Dir jemand gibt.“ Ob im Bett, beim Einkauf oder im Krankenhaus.

Wichtig sei auch, dass man sofort jeden Input niederschreibt, sodass es nicht zur Prokrastination kommt. „Ach, mach ich gleich“ gilt also nicht mehr. Jetzt ist der Superheld schon langsam in Sicht.

Nach Notizbuch kommt To-Do-Liste

Leider reicht es noch nicht aus, alle Informationen, die wir täglich aufnehmen, in diesem einen Eingang zu sammeln. Im Notizbuch befinden sich die Notizen sozusagen in einem Rohzustand oder in einem Zwischenstadium. Shampoo besorgen steht vielleicht in Kritzelschrift neben der Idee, am Wochenende an den Wannsee zu fahren und darauf folgt der Hinweis, unbedingt mal seine Fahrradkette zu ölen und darauf der nächste Termin für den Redaktionsschluss. Deshalb ist wichtig: „Wenn Du wieder an Deinem Schreibtisch bist, überführe Deine Notizen in Deine To-Do-Liste […]“. Gemeint ist hier eine ganz einfach Liste. Es geht erst später darum kontextbezogene Listen zu erstellen, um das „einfache und vertrauenswürdige System“ zu erstellen. Alles, was man in diese Liste (in Schönschrift) überführt hat, streicht man am Besten aus seinem Notizbuch. Jetzt ist der Superheld schon verdammt nahe. Mit noch ein bisschen mehr Übung könnten wir sicher gute Freunde werden.

Moleskine-Typ oder doch der Techi?

Im Grunde sei es nicht entscheidend, ob man seine „losen Enden“ (so nennt David Allen den täglichen Input in seinem Buch „Getting Things Done“) zu Papier bringt oder digital in sein Handy, Smartphone oder PDA einträgt. Wichtig sei nur, dass das Tool handlich und leicht zu bedienen ist. Babauta empfiehlt jedoch ein analoges Werkzeug aus Papier, weil es schneller sei, als ein Programm. Statt eines Notizheftes könne man auch auf einen Stapel Karteikarten zurückgreifen. Das Blog Imgriff erklärt, wie man sich ein Hipster PDA (Karteikarten + Papierclip) für die Hosentasche bastelt.
Ich habe mir nun erst einmal ein Moleskine-Heft klassisch in Schwarz und im Miniformat unliniert zugelegt (Babauta und der Übersetzter seines „Zen To Done“ benutzen es auch), weil es gut in meine Jackentasche passt — für den Fall, dass ich doch mal ohne Handtasche aus dem Haus gehe. In der letzten Woche habe ich die Variante Papier bereits getestet. Bisher klappt es ganz gut. Einen ausführlicheren Bericht gibt es im fünften Teil, der das Kapitel „Sammeln“ noch einmal zusammenfasst.

Digitale Tools kommen nicht zu kurz

Im nächsten Teil der Serie stelle ich ein paar Programme vor, die eine gute Alternative zum Papier sein können.

Nur das Beste für meine Notizen

Damit das Notizbuch voll und ganz seinen Zweck erfüllt, sollte es unbedingt Spaß machen und hübsch anzusehen sein. Ich habe mal ein bisschen auf Dawanda gestöbert und ein paar schöne Exemplare gesammelt, mit denen es sicher große Freude macht, auch die nüchternsten Informationen festzuhalten.


1. My little Papercrane, 2. Whysdaskyblue?, 3. Tschilp!, 4. Idee rot, 5. Pinguin lila,
6. Ameisen rot, 7. Milano small, 8. Holidays small, 9. Re-Play small, 10. Gelbes 70er Jahre Retro Notizbuch, 11. Blaues 70er Jahre Retro Notizbuch, 12. Mini-Merker, 13. * Mistel,
14. Leder Notizbuch Gecko

Linktipps

Verschiedene Notizbücher, Hacks und Tipps (zum Beispiel die Verwendung von Abkürzungen)

How to procrastinate (Danke an Jasmin für den Link)

Michaela von Aichberger malt ihre Twitter-Follower in Moleskine-Büchern

Über die Serie »Zen To Done«  —  der Praxistest

Das Produktivitätssystem „Zen To Done“ von Leo Babauta basiert auf zehn Gewohnheiten. Zum Aufbau jeder einzelnen Gewohnheit, so empfiehlt Babauta, sollte man sich circa dreißig Tage Zeit nehmen. Jede Woche berichte ich darüber, wie es mir gelingt, die Theorie in die Praxis umzusetzen.

Das Begleitbuch »Zen To Done«

Die Autoren des Blogs Imgriff haben das Buch „Zen To Done“ von Leo Babauta ins Deutsche übersetzt.

Hier geht’s zum E-Book »Zen To Done«

Teil 1 »Zen To Done«   —   der Praxistest. Neue Serie auf Orangetopic

Teil 2 »Zen To Done«   —   der Praxistest. Vom Jäger zum Sammler