Die vielen bunten Sachen auf meinem Schreibtisch sind schön anzusehen, lenken mich aber auch gerne von der Arbeit ab.
Wie kriegt man es hin, eine schöne Arbeitsumgebung zu schaffen, in der man sich wohl fühlt und gleichzeitig produktiv ist?
Zum Beispiel mit Minimalismus
Eine Zeit lang sammelte ich diese Gratis-Karten, die es häufig in Kneipen und Cafés zum Mitnehmen gibt und pinnte die Schönsten alle an die Wand — direkt über meinem Schreibtisch. Manchmal bekam ich einen Rappel und hängte alles wieder ab, weil mir das Wirrwarr nicht mehr gefiel und reduzierte die Anzahl auf ein paar wenige, besondere Motive, die ich in schönen Läden gefunden oder mit der Post bekommen hatte. Dabei ist es bis heute geblieben. Das Dekorieren von Wänden in der Nähe meines Schreibtisches habe ich mir abgewöhnt, weil ich es einfach schlicht mag. Für Zen To Done eine gute Ausgangslage.
Alles so vollgestellt hier
Was bisher mit meinen Wänden gut funktionierte, klappte mit meinem Schreibtisch keineswegs. Der war nämlich alles andere als schlicht. Ich nahm mir zwar immer vor, möglichst wenige Dinge auf der Arbeitsfläche stehen und liegen zu lassen, aber es wollte mir einfach nicht gelingen. Erst waren es Notebook, Tastatur, Maus und eine Lampe. Dann kamen mit der Zeit ein Bilderrahmen mit einem Kinderfoto, ein kleiner süßer Kartenständer für besonders schöne Motive, eine Zettelbox für die Notizen im Notfall, eine TAN-Liste, sowie einen Becher voller Stifte und kleinen Neon-Post-its, zwei Untersetzer für Gläser, To-Do-Listen und Notizbuch, ein weiteres Notizbuch für Meetings und lange Texte und ein 10-Cent-Stück dazu. Viele der Dinge verweilten dort, weil sie eigentlich den Zweck hatten mir das Arbeiten so angenehm, wie möglich zu machen. Doch ich habe den großen Verdacht, dass mich all die Spielereien bewusst und unbewusst von der Arbeit abgelenkt hatten.
Immer wieder aufräumen
Im letzten Teil der Serie schrieb ich darüber, wie man seine E-Mail-Eingänge leer hält. Ich habe mir in den letzten Wochen erstaunlich gut angewöhnen können, eine schnelle Entscheidung zu treffen, was mit jeder einzelnen E-Mail passieren soll. Auch das Durcharbeiten von Papieren klappt super. Wie gelingt es mir nun, eine schöne und produktivitätsfördernde Arbeitsumgebung zu schaffen, in der nicht nur die Eingänge, sondern auch der Schreibtisch schön leer bleibt? Hier ein paar Zen-Habits-Tipps von Leo Babauta und meine Erfahrungswerte.
- Nimm alles von deinem Schreibtisch und aus deinen Schubladen heraus und packe es auf einen Stapel.
Ich habe alles ab– und ausgeräumt. Papiere, Stifte, Postkarten, Umschläge, Briefmarken, CD-Rohlinge, etc. liegen nun erst einmal zur Sichtung auf einem Tisch. Ganz schön viel! - Überführe alles zunächst in deine Inbox (wenn es nicht zuviel ist) und arbeite es von oben bis unten durch. Optionen: Wegwerfen, delegieren, ablegen, tun oder auf einer Liste vermerken, um es später zu tun. (Siehe Teil 6)
Diesen Tipp habe ich erst einmal nur auf meinen Papierkram angewendet.
In der Schublade meines Rollcontainers gab es so Einiges zu holen, wie etwa meine BVG-Monatskarten, Briefe, Bons, wieder mal Karten, Fotos und ein Stück Geschenkpapier. Auf dem Rollcontainer lagen noch ein paar Zeitschriften. - Lege alle Dinge, die du häufig benötigst, zum Beispiel Stifte, Locher oder Büroklammern, in eine Schublade, die nicht weit entfernt von deinem Schreibtisch ist. Denn all dieser Krimskrams ist pure Ablenkung und sollte sich nicht in Sichtweite befinden.
Das Ausräumen meiner Schublade war für mich eine gute Gelegenheit, um Schnick Schnack, sowie Dinge, die nichts mit der Arbeit zu tun haben, an einen anderen Ort zu legen oder sogar wegzuwerfen. Zettel-Box, Stifte etc. sind nun von meinem Schreibtisch in die Schublade gewandert. Übrig bleiben auf meiner Arbeitsfläche: Notebook, Tastatur, Maus, To-Do-Listen, Notizbuch, Lampe und mein Handy. - Überdenke auf welche Deko du an deinen Wänden verzichten kannst. Hänge alles ab, was dich ablenkt. Auch Zettel, die dich an ein Ziel erinnern sollen. Ein schöner Kalender darf natürlich bleiben. Babauta hat an seinen Computer ein Schild mit der Aufschrift „DO IT NOW“ angebracht. „It’s a distraction, sure, but one that distracts me from my other distractions“, schreibt er.
Ich bin nicht ganz sicher, ob mir so ein Hinweis nicht eher Druck machen würde, sodass Durcharbeiten nur noch Stress bedeutet. An meiner Wand hängt weiterhin eine Schwarz-Weiß-Postkarte und ein Vogue-Plakat. Alles andere habe ich abgenommen. Das Bild von Per Kirkeby, das ich letztes Jahr aus dem Louisiana Museum/Kopenhagen mitgebracht habe, ist geblieben. Da es an der rechten Seitenwand hängt, schaue ich beim Arbeiten nicht direkt darauf, sodass ich mich nur in einer Pause von dieser nordischen Atmosphäre ablenken lasse. - Wiederhole Schritt 1 und 2 mindestens einmal pro Tag.
Bevor ich an die Arbeit gehe, sichte ich alle meine Dinge, die nicht am richtigen Platz liegen und durchgearbeitet werden müssen. Vor allem Papierkram. Stifte und Locher hole ich natürlich nicht jeden Tag aus der Schublade heraus. Nach der Mittagspause wiederhole ich die Schritte. Das erfordert viel Disziplin, hilft mir aber bisher ganz gut, mehr Ordnung zu halten.
Quellen: „3 Steps to a Permanently Clear Desk“ & „Edit Your Life, Part 4: Your Work Space“
Vorschau
Im nächsten und letzten Teil über das Kapitel „Gewohnheit 2: Durcharbeiten“ werde ich mich um meinen Desktop, sowie um alle Eingänge kümmern, in die jede Menge Downloads fließen. Außerdem: Rückblick auf sechzig Tage Zen To Done.
Über die Serie »Zen To Done« — der Praxistest
Das Produktivitätssystem „Zen To Done“ von Leo Babauta basiert auf zehn Gewohnheiten. Zum Aufbau jeder einzelnen Gewohnheit, so empfiehlt Babauta, sollte man sich circa dreißig Tage Zeit nehmen. Jede Woche berichte ich darüber, wie es mir gelingt, die Theorie in die Praxis umzusetzen.
- Teil 1 »Zen To Done« — der Praxistest. Neue Serie auf Orangetopic
- Teil 2 »Zen To Done« — der Praxistest. Vom Jäger zum Sammler
- Teil 3 »Zen To Done« — der Praxistest. Kleiner Retter ganz groß
- Teil 4 »Zen To Done« — der Praxistest. Im Sog der Digi-Tools
- Teil 5 »Zen To Done« — der Praxistest. Auf und davon
- Teil 6 »Zen To Done« — der Praxistest. Ohne Fleiß kein Preis
- Teil 7 »Zen To Done« — der Praxistest. Tag der Entscheidungen
Das Begleitbuch »Zen To Done«
Die Autoren des Blogs Imgriff haben das Buch „Zen To Done“ von Leo Babauta ins Deutsche übersetzt.
Hier geht’s zum E-Book »Zen To Done«
Leo Babautas Blog Zen Habits




